Schule

Das Comeback der Zwergenschule?

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Die Umgebung, in der der Mensch sich den größten Teil des Tages aufhält, bestimmt seinen Charakter.

Antiphon

 

Immer mehr Eltern wünschen sich für Ihre Kinder die kleine Dorfschule aus dem Anfang des 20. Jahrhunderts zurück. In England gibt es neuerdings Holzbaufirmen, die kleine Schulhütten anbieten. Diese Schulhütten sind ebenso für Schulgründer mit geringem finanziellen Startkapital interessant:

 

Rural Log CabinsKilworth External 2

 

 

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Studien zum Vergleich großer und kleiner Studien zeigen, dass kleine Schulen zu besserem Lernerfolg bei Kindern führen als große Schulen (1&2). In kleinen Schulen sind Kinder noch dazu zufriedener und es gibt weniger Abbrecherraten (3). Nochdazu zeigen Kinder in kleinen Schulen weniger Verhaltsauffälligkeiten und damit einhergehend auch weniger kriminelle Energien als in großen Schulen (4). In kleinen Schulen sei der auch der Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Lernerfolg weniger stark als in großen Schulen (5). Insgesamt zeigt eine überwältigende Mehrheit an Studien, dass kleine Schulen großen Schulen in vierlei Hinsicht überlegen sind (6).

Aber wie groß ist eine kleine Schule nach wissenschaftlichen Maßstäben? Die in den USA durchegführten Studien legen einen Grenzwert von 350 Schülern in Grundschulen und ca. 600 Schülern in Sekundarschulen fest. Kaum eine Grundschule in Deutschland ist jedoch größer als 350 Schüler und nur wenige Sekundarschule übersteigen den Wert von 600 Schülern massiv. Die Bildungswissenschaften in Deutschland können zumindest für die Klassengröße keinen Zusammenhang mit dem individuellen Lernerfolg bestätigen (7). Erst aber sehr großen Klassen mit etwas 80 Schülern verschlechtern sich die Lernleistungen signifikant. Eine niderländische Langzeitstudie zeigt sogar, dass große Studien vorteilhaft sein können, wenn man den späteren ökonomischen Erfolg von Kindern untersucht: Kinder aus größeren Schulen verdienen später mehr. Die meisten dieser Studien messen den Erfolg der Schulen jedoch an der Lernleistung. Studien für die andere Parameter wie Zufriedenheit, Sozialverhalten und Schulgemeinschaft im Mittelpunkt stehen, legen den Grenzwert weitaus gerinegr fest (8).

Wenn es um den Wunsch nach kleinen Schulen geht, steht bei Eltern meist auch nicht die Frage nach besseren Lernleistungen im Forderungrund (9). Vielmehr geht es um den Wunsch nach einem idealen Ort an dem Kinder einen Großteil ihrer Kindheit verbringen, ihren Charakter bilden, ihr Selbstbild entwickeln, soziale Kontakte üben und soziale Bindungen eingehen und sich sicher fühlen sollen. Kleine Schulen verbindet man darmit, dass jeder jeden kennt, Kinder nicht als Nummer untergehen, sondern ihren festen individuellen Platz haben und ihre Identitäte bilden können, in der es langfristige soziale Bindungen sowohl unter den Schülern als auch zwischen Schülern und Lehrern gibt: Darüberhinaus verbinden Eltern mit kleinen Schulen auch mehr Sicherheit für ihr Kind vor modernen Risiken wie Mobbing, Gewalt und Drogen. Diese Faktoren der Lernumwelt fasst die Positive Education oder Positive Bildung als Faktoren für eine glückliche Entwicklung und eine anreichernde Lernumgebung zusammen.

Nach dem dem Bericht des Statsitischen Bundesamts (10), werden an Gymnasien im Durchschnitt 760 und and Grundschulen 170 Schülerinnen und Schüler unterrichtet. Große Schulen sind letztlich kostengünstiger (11). Noch bestehenden kleinen Schulen wir politisch keine Zukunft vorhergesagt (12). Allerdings variiert die politische Haltung zu kleinen Schulen zwischen den Bundesländern (13). Während in Bayerns Grundschulen eine Mindestklassengröße von 16 Kinder auch durch das Zusammenlegen von Jahrgängen erreicht werden kann, besteht in Schleswig Holstein eine Mindestgröße von 80 SchülerInnen in Grundschulen mit dem langfristigen Ziel diese auf 160 zu erhöhen. In Österreich sind kleine Schulen zwar noch gang und gäbe, allerdings stehen auch sie unter imemnsem politischen Druck (14). Das Hauptargument gegen kleine Schulen ist die Fianzierung. Doch fast überall wo eine kleine Schule geschlossen wird gibt es lokalen Widerstand. Mit dem Dokumantarfilm Tableau Noir stellt zeichnet Yves Yersin ein Bild einer der letzten Zwergenschulen in der Schweiz, auch von deren drohender Schließung der Reaktionen von Dorfbewohnern und Schulgemeinschaft.

Trailer „Tableau Noir“

 

Der Dorfschullehrer Gilbert Hirschi unterrichtet bereits die dritte Generation in Derrièrre-Pertuis auf 1100m. Sehr persönlich nd familiär geht es in der Schule mit 12 Kindern zwischen 6 und 12 Jahren zu (15). Nicht immer nur ist es gemütlich sondern bisweilen auch rauh und emotional. Es wird geweint, gelacht und gestritten und zwar auch handgreiflich. Allerdings fällt auf, dass der Lehrer Zeit hat, intensiv auf die emotionalen Überschüsse der Kinder einzugehen. Ein Mädchen – etwa 8 Jahre alt- weint weil sie im Aufsatz mehr Rechtschreibfehler hatte als es ihr eigener Anspruch erlaubt. Hirschi nimmt sich Zeit um das Problem mit ihr zu besprechen. Anschaulich und interaktiv, ganz modernen pädagogischen Ansprüchen entsprechend, ist der Unterricht gestaltet. Schreibtische reparieren die Grundschüler selbst. Die Kinder lernen bei Ausflügen in die beeindruckende Natur rund um die Schule und studieren Theaterstücke ein. Zukunftsmusik wird in Tabela Noir jedoch auch nicht geschrieben. Denn schon während der Dreharbeiten steht die Schließung der Schule im Jahr 2008 fest. Am Ende dokumentiert Yersin die hilflosen Reaktionen von Eltern und Schülern auf den Verlust ihrer Schule. Wo sonst weinen Eltern und Kinder gemeinsam um ihre Schule?

 

Ganzer Film „Tableau Noir“

Quellen

1 ED425049 1999-01-00 Current Literature on Small Schools. ERIC Digest. ERIC Development Team www.eric.ed.gov (http://files.eric.ed.gov/fulltext/ED425049.pdf) 10-06-2015

2 Lee, V. E., & Smith, J. B. (1995). Effects of high school restructuring and size on early gains in achievement and engagement. Sociology of Education, 68(4), 241-270.

3 Pittman, R. B., & Haughwout, P. (1987). Influence of high school size on dropout rate. Educational Evaluation and Policy Analysis, 9(4), 337-343.

4 Stockard, J., & Mayberry, M. (1992). Effective educational environments. Newbury Park, CA: Corwin. (ED 350 674)

5 http://people.westminstercollege.edu/faculty/jsibbett/readings/smallschoolsareformthatworks.pdf

6 Cotton, K. (1996b). Affective and social benefits of small-scale schooling. ERIC Digest. Charleston, WV: Clearinghouse on Rural Education and Small Schools. (ED 401 088)

7 http://www.spiegel.de/schulspiegel/wissen/lehrer-klagen-ueber-zu-grosse-klassen-wie-gross-sie-tatsaechlich-sind-a-874866.html

8 http://files.eric.ed.gov/fulltext/ED425049.pdf

9 http://www.oecd-ilibrary.org/docserver/download/5js1qfw4n6wj.pdf?expires=1444327323&id=id&accname=guest&checksum=3E32742E7E1045E38972F78F818E556E

10https://www.destatis.de/DE/Publikationen/Thematisch/BildungForschungKultur/Schulen/BroschuereSchulenBlick0110018149004.pdf?__blob=publicationFile

11http://www.weser-kurier.de/region_artikel,-Kleine-Schulen-vor-dem-Aus-_arid,1149952.html

12 http://www.az-online.de/leserbriefe/uelzen/kleinen-schulen-besser-lernen-1018230.html

13http://www.shz.de/lokales/sylter-rundschau/kampf-um-kleine-schulen-ist-woanders-wirklich-alles-besser-id849336.html

14http://derstandard.at/2000010373409/Heinisch-Hosek-will-weniger-Kleinschulen

15http://www.nzz.ch/feuilleton/die-schule-hinter-den-sieben-bergen-1.18261422

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