EdTech 2015

Was verbindet Schulgegner mit EdTech?

EdTech eröffnet uns in vielerei Hinsicht neue Perspektiven auf Lernen, Unterricht und Schule. Verschiedeneste gesellschaftliche Gruppen erkennen Chancen und Möglichkeiten in der Entwicklung von EdTech. Auch die Lobby der Schulgegner verbindet Hoffnungen mit EdTech: Es eröffnet neue Möglichkeiten für schulunabhängigen Unterricht und außerschulisches Lernen. Bereichts der Gründer der Deschooling Society versprach 1971 die Entstehung von „leanring webs“ oder Lernnetzen als künftiges Model für Menschen um sich ein Wissensnetz zu schaffen für die Bildung, die sie persönlich brauchen.

Eine große Mehrheit der Homeschool Familien lehnt den Schulbesuch aus moralischen oder religiösen Gründen ab. Sie sehen das Schulsystem als Gefahr für die religiöse und moralische Erziehung ihrer Kinder an. Der Begriff des Deschoolings hingegen wurden durch den österreichen Philosophen Ivan Illich und sein Buch „Deschooling Society“ geprägt:

 

Auch Illich spricht sich gegen die Schule in heutiger Form aus, jedoch weniger aus religiös moralischen, sondern aus pädagogischen Gründen: Schule sei eine Zwangsinstitution, die nicht zum freien Denken erzieht, da sie das Monopol auf Abschlüsse hat. Schule sei weltfremd und mache die Welt nicht erfahrbar. Schule sei ein politischer Akteur und indoktriniert Kinder in Sinne der jeweiligen Machthaber im Staat. Schule erziehe einzig zu Tugenden wie Pünktlichkeit, Gehorsam und Fleiß. Schule ist der eigentliche Motor sozialer Ungleichhiet: Niemand lernt etwas in der Schule, aber Mittelstandskinder haben genügen Möglichkeiten außerhalb der Schule zu lernen, die Schule habe es weltweit nicht geschafft soziale Ungleichheit zu verringern. Schule lehre hierarchisches Denken, Leistungskonkurrent und Normkonformität. Durch die Schule werden Wissen als Tauschwert begriffen und nicht als Gebrauchswert für die Teilnahme am Leben in der eigenen Kultur.  Zertifikate seien Pass und Kreditkarte. Heute werden viele dieser Argumente von Sir Kenneth Robinson vorgebracht, um die modernen öffentlichen Schulen zu kritisieren:

 

 

In Deutschland gibt es keine ernstzunehmende Kampagne gegen die Schulpflicht. Die Schulpflicht besteht in manchen Regionen seit dem 16. Jh. und ist mindestens so sehr Bestandteil der Kultur wie Sozial- und Krankenversicherungswesen. Im internationalen Vergleich sieht das sehr anders aus. Bereits in der benachtbarten Schweiz besteht zwar eine Bildungs- und Unterrichtspflicht, aber keine allgemeine Schulpflicht. Bildungs- und Unterrichtspflicht können auch durch Hausunterricht (i.f. Homeschooling) oder Selbstlernen (i.f. deschooling) erfüllt werden. Freilich in den USA hat Homeschooling und Deschooling eine einflussreiche und starke Lobby, nicht nur unter religiösen Fantatisten. Homeschooling gibt es mitten in Großstädten  wenn die öffentlichen Schulen in miserablem Zustand sind und Familien das Gefühl haben ihre Kinder besser zu Hause unterrichten zu können oder wenn Kinder schlechte soziale Erfahrungen in der Schule gemacht haben. Öffentliche Museen wie das renomierte Philadelphia Art Museum oder das Franklin Institute bieten Homeschool Workshops an. Im Kontrast zu Deutschland zweifelt hier niemand wirklich am Recht auf Homeschooling und Deschooling. Während in Deutschland die Schulpflicht neben dem Bildungszweck historisch immer schon ein Mittel zur Erziehung zum Staatsbürger war, steht Eltern und Familien in den USA zweifelos das primäre Erziehungsrecht gegenüber Staat und Gesellschaft zu. Laut US Bildungsministerium werden 2007 1,5 Millionen Kinder zu Hause unterrichtet. Das ist eine Verdopplung gegenüber 1999. Dementsprechend gibt es auch eine große Anzahl an Verbänden, die Heimunterricht unterstützen: Home School Legal Defense Association oder die American Homeschool Association. Außerdem gibt es Webseiten, die Homeschooler ganz praktisch unterstützen: http://www.homeschool.com. Aus rein praktischer Notwendigkeit heraus wurde EdTech sogar durch die Homeschooling Szene beflügelt, wenn nicht gar mit gegründet.

EdTech sich an Lernende in unterschiedlichen Rahmen: zu Hause, in Schulen, Hochschulen, Unternehmen und vielen mehr.⁶ EdTech bricht damit das Bildungsmonopol der Schule auf. Dies kommt den Zielen der Deschooling Society entgegen: Man hofft auf die Auflösung des institutionalisierten Schulsystems zugungsten einer dezentralen Bildung und individualisierten Lernnetzwerken: „the institutionalization of education is considered to institutionalize society and conversely that ideas for de-institutionalizing education may be a starting point for a de-institutionalized society.“⁷

 

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