EdTech 2015

So lernt Anna (*2023)

Die 9-jährigen Anna (*1. Juni 2023) geht in keine Schule, sie geht in ein Lern- und Spielzentrum. Unterricht in Mathematik, Naturwissenschaften, Deutsch, Englisch und Geschichte erhält Anna virtuell zu flexiblen Zeiten zu Hause, im Lern- und Spielzentrum oder an irgendeinem beliebigen anderen Ort. In ihrer virtuellen Lernakademie schaut sie auf ihren Lernfortschritt zugeschneidetere interaktive Lehrvideos. Anschließend erledigt sie dazu passende Übungen solange bis ihr diese sicher gelingen. Bei Schwierigkeiten wird ihr ein virtueller Lehrer helfen oder sie kann einen der anwesenden Pädagogen im Lern- und Spielzentrum um Hilfe bitten.

Das Kurrikulum wird je nach Annas individueller Lernkurve von der virtuellen Schule angepasst. Eltern und Betreuer haben vorallem die Aufgabe Anna zu motivieren ihre virtuellen Lernziele zu erreichen und Lernzeiteneinzuhalten. Annas Eltern und ihre Betreuer bekommen regelmäßige Lernberichte von der virtuellen Akademie zusammengefasst. Der Lernbericht liefert neben Annas Lernerfolgen auch Tipps und Vorschläge mit, anhand derer Annas Lernziele erreicht werden können. Die Virtuelle Akademie erkennt auch sehr schnell, dass Anna ein ausgeprägtes Interesse an Kolonialgeschichte hat und starke musische Fähigkeiten hat. Durch Anpassung des Kurrikulums werden Ihre Lernschwerpunkte aber auch die Übungen und Lernbeispiele in allen anderen Fächern auf diese Interessen angepasst.

Neben der virtuellen Akademie hat Anna im Lern- und Betreuungszentrum auch die Möglichkeit an Spielgruppen, Sportkursen, Musikunterricht, Theaterproben und Praktika in verschiedenen Fächern teilzunehmen. Es gibt auch Spielplätze und Leseräume in denen Anna den Tag im Betreuungszentrum je nach ihren Bedürfnissen und Interessen verbringen kann. Annas Eltern haben sie vorallem im Lern- und Spielzentrum angemeldet um für eine sichere und anreichernde Betreuung und soziale Interaktion mit anderen Kindern zu sorgen, während sie arbeiten. Verschiedene Lern- und Spielzentren bieten verschiedene Öffnungszeiten für die Unterschiedlichen Betreuungsbedürfnisse der Eltern an. Die Spiel- und Lernzentren buhlen auch durch unterschiedlichen Spiel- und Praktikumsangebote um Anmeldungen.

Altersgebundene Schulklassen, Fachunterricht, Stundenpläne, Anwesenheitspflicht, Zeugnisse, Noten, Klassenlehrer, das alles kennt Anna nur noch aus Erzählungen ihrer Eltern. Lehrer für bestimmte Fächer gibt es nur noch vereinzelt an Lern- und Spielzentren um bei Fragen zum virtuellen Training und zur Beratung der Eltern zur Verfügung zustehen. Die Mitarbeiter an Lern- und Spielzentren haben in erster Linie eine pädagogische Grundausbildung mit einer zusätzlichen Fachspezialisierung um Praktika in verschienden Bereichen von Ernährung über Geschichte, Schreinern, Musik, Mathematik, Sprachen, Informatik, Finanzen und Wirtschaft, Sport, Kunst, Sozialwissenschaften, Astronomie usw. anzubieten und die individuellen Interessen und Bedürfnisse der Kinder zu identifizieren und zu fördern. Ein Abitur gibt es nicht mehr wenn Anna 19 ist, da Schulabschlüsse bereits internationalisiert sind. Anna kann, wenn die virtuelle Akadmeie anzeigt, dass sie einen enstprechenden Lernstand hat an einer virtuelle Prüfung für das internationale Bildungszertifikat ablegen mit dem sie sich weltweit an Hochschulen und für Ausbildungen bewerben kann. Die Schulpflicht wurde im Jahr 2028 abgeschafft.

Zu revolutionär? Die virtuelle Schule ist längst keine Zukunftsmusik mehr. Khan Academy bietet seit 2009 das gesamte Schulkurrikulum des US-Schulsystems von Kindergarten (Vorschulklasse) bis zur 12. Klasse in Form von 10 minütigen Lehrvideos an. Mehr als 6500 Videos gibt es bereits. Das Projekt wird durch Spenden, insebesondere von der Bill and Melinda Gates Foundation finanziert. Das Angebot ist weltweit frei für jedermann zugänglich. Khan Academy wirbt mit dem Leitspruch: „Frei, für jederman, für immer.“ Übersetzungen der Lehrvideos in andere Sprachen sind in Vorbereitung. Neben den Lernvideos gibt es Übungen, bei deren erfolgreicher Erledigung der Nutzer eine Lernstufe weiter rücken kann. Der Fortschritt im Kurrikulum richtiet sich nach der Lerngeschwindigkeit des einzelnen Schülers. Bei Schwierigkeiten kann ein virtueller Tutor konsultiert werden. Das ist ziemlich nahe an der imaginierten Anna im Jahr 2032.

Neben Khan Academy gibt es noch weitere große Player auf dem Feld: K12, Knewton, edX und Coursera, Knewton, Udacity – die Education Technology (EdTech) Industrie überrollt die Bildungssysteme weltweit. Allen EdTech Unternehmen ist gemeinsam, dass sie die individuelle Lernergebnisse weltweit verbessern wollen. Sie sind bisher für jederman frei zugänglich und sie können jederzeit unabhängig vom geographischen Standort genutzt werden. Auf die Bedürfnisse der Zielgruppe zugeschneiderte Bildungsangebote sollen individuelle Lernkurven und individuelle Begabungen und Interessen besser abbilden. EdTech Unternehmen tragen somit auch implizit zu einer Revolution des traditionellen one-size fits all Dogmas im Schulwesen bei. In Form von Online-games, Apps oder Videos werden Fähigkeiten und Wissen vermittelt. Die meisten Angebote bestehen jedoch für eine englischsprachige Zielgruppe. Größere Unternehmen wie Khan Academy arbeiten bereits an deutschen Übersetzungen.

 

3 Vorhersagen

Fasst man die Entwicklungen der EdTech Industrie bis zum heutigen Zeitpunkt zusammen, sind drei Entwicklungen im Bildungswesen sicher:

1. Bildungs wird in Zukunft individueller werden, was den natürlichen individuellen Lernkurven gerechter werden wird.

2. Die Bildungsangebote werden durch technologische Möglichkeiten dezentraler werden, so dass die Schule wie wir sie heute kennen ihr Monopol im Bildungsangebot eher früher als später verlieren wird.

3. Es wird eine mächtige Bildungs-Industrie entstehen, die das Heranwachsen der Kinder beeinflusst.

Education Rennaissance beginnt heute die EdTech Reihe 2015. Die Reihe klärt über die Mögichkeiten und Chancen von EdTech Entwicklungen auf. Diskutiert und analysiert aber auch die damit einhergehenden Risiken:

Weitere Beiträge der EdTech Serien 2015

Massive Data Provider. Samariter oder Orwell 2.0?

Daten und Fakten des neu entstehenden EdTech Marktes

Wie kann EdTech Chancengleichheit in der Bildung fördern?

Was verbindet Schulgegner mit EdTech?

 

Quellen

edsurge.com: https://www.edsurge.com/news/2015-07-29-education-technology-deals-reach-1-6-billion-in-first-half-of-2015

²https://en.wikipedia.org/wiki/Learning_management_system

⁶https://en.wikipedia.org/wiki/Educational_technology

⁷https://en.wikipedia.org/wiki/Deschooling_Society

 

Educational technology is used by learners and educators in homes, schools (both K-12 and higher education), businesses, and other settings.

 

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