Positive Education

Bildung = Wissen & Charakter

Bildung zum schönen Charakter

Bereits Wilhelm von Humboldt einer der Gründerväter der modernen Bildungssysteme, sah neben der zweifelsohne wichtigen akademischen Wissensvermittlung, die Charakterbildung als wesentliche Komponente von Bildung an. Das ist nun das Credo des International Positive Education Network (IPEN). Das Ziel von Positive Education ist junge Menschen mit den Charakterstärken auszustatten, mit denen Sie sich optimal entfalten können.

IPEN

Das Ziel des IPEN ist die weltweite Implementation von Charakterunterricht und der Lehrerausbildung in Positiver Psychologie, jenem Forschungsgebiet welches sich mit den Grundlagen von Glück und Entfaltung befasst. Erste politische Erfolge gibt es bereits. Die PISA Sudie der OECD hat im Jahr 2012 das erste mal die Frage nach dem Glücksempfinden der Schülerinnen und Schüler in ihren Fragebogen aufgenommen. Buthan, das Land in dem das Bruttoinlandsglück bereits in den 1970er Jahren als Maßzahl für den Wohlstand der Gesellschaft aufgenommen wurde, hat mit Unterstützung des Positive Psychology Centers an der University of Pennsylvania gar flächendeckend Charakterunterricht in das Schulcurriculum aufgenommen.

„Junge Menschen sind verwundbarer geworden“ titelt der Spiegel im Jahr 2012. Die moderne Wissensgesellschaft hat in den letzten Jahrzehnten zu einer beindruckenden Würdigung akademischer Bildung und Leistung geführt. Akademische Bildungsabschlüsse sind der Motor für soziale und ökonomische Chancen. Das Produkt der modernen Wissensgesellschaft war eine gigantische Bildungsexpansion, die vielen jungen Menschen einen neuen Zugang zu Wissen und Bildungsabschlüssen ermöglicht hat. Neben diesen willkommenen Entwicklungen sind jedoch auch einige Stilblüten im Bildungssystem entstanden, die ihr Ziel verfehlen: erstens, früh einsetzender Leistungsdruck und Angst vor akdemischem Versagen (1, 2) und zweitens, das unhinterfragte Lernen vorgegebener Lehrplaninhalte um Testergebnisse zu ernten. Diese Entwicklungen ermöglichen zwar das Erreichen eines hinlänglichen Kenntnisstands. Sie wirken jedoch Charaktereigenschaften entgegen, die hoch prädiktiv sind für eine glückliche, erfüllte und erfolgreiche Entfaltung: Begeisterung und Elan, Durchhaltevermögen, Charakterfestigkeit, Optimismus, Selbstkontrolle, Dankbarkeit, soziale Intelligenz, und Neugierde (3). 

Die Geelong Grammar School sieht die Notwendigkeit für Charakterbildung durch die hohen Depressionsraten unter Jugendlichen Australiern begründet (etwa 160.000 jährlich) und in der Tatsache, dass Suizid eine der häufigsten Todesursachen zwischen 15 und 24 Jahren ist. Im Übrigen haben alle hochentwickelten Gesellschaften mit diesen Sorgen gleichermaßen zu kämpfen. Charakterunterricht zeigt Wirkung auf Glücksempfinden und Gesundheit unter Jugendlichen (4). Die Forschung zeigt, dass Charakterprogramme Stress verringern, Angst lösen sowie die Selbstwirksamkeit, das Selbstwertgefühl und den Optimismus steigern können (5).

Aber, können wir wirklich ein Bildungssystem ermöglichen, indem Kinder ohne Leistungsangst, unbeschwert und glücklich das Schulleben durchlaufen, sich entfalten können und auf ein erfülltes Leben vorbereitet werden, ohne dass das akademische Niveau leidet? Alejandro Adler vom Positive Psychology Center der University of Pennsylvania zeigt das die Einführung von Charakterunterricht nicht nur Wohlbefinden (Freude am Lernen, Entfaltung und Glücksempfinden) von Schülerinnen und Schülern stärkt, sondern auch die akademischen Leistung in überwältigendem Ausmaß steigert.

Neben dem humanistischen Wert der Steigerung des individuellen Glücks und persönlicher Entfaltung, erfüllt Charakterbildung auch einen makro-gesellschaftlichen Zweck. Seit dem Beginn der modernen Bildungssysteme war neben der Vorbereitung auf das Berufsleben auch die Erziehung zum guten Staatsbürger in den Bildungsstatuten verankert (6): demokratische Beteiligung, Achtung und Respekt vor den geltenden Gesetzen, Werten und Normen und die Identität des einzelnen als Teil und nicht als Fremdkörper der Gesellschaft. Jugendliche sind heute durch das Aufeinandertreffen von sich fremenden Kulturen, der schnellen Verbreitung von Polarisierung und politischer Brandstiftung in sozialen Medien und der globalisierten Konfliktherde vierlei Risiken ausgesetzt, die mittelfristig Konsequenzen für die Integration und Kohäsion der Gesellschaft haben: Aufkeimender Hass gegenüber kulturell Fremden und Andersdenkenden, Zulauf bei politischen Extremisten, politisch motivierte Gewalttaten und Terror. Positive Education hat das Potenzial, diesen Tendenzen durch Charakterbildung entgegenzuwirken: Wenn junge Menschen Empathie trainieren und entwickeln, entfalten sie sich nicht nur in Schule und Leben erfolgreicher, sondern bereichern auch ihre sozialen Gemeinschaften (7).

Demokratiekomptenzen durch Charakterbildung ist auch das Ziel des American Jewish Committee in Berlin. Mit dem Programm Hands for Kids wird in den Jahrgangsstufen eins bis sechs der teilnehmenden Schulen ein Grundwerte-Curriculum eingeführt, welches die eigene Identität, das Selbstbewusstsein und den Respekt gegenüber Mitmenschen stärkt. Mit diesen Charakterstärken sollen Schülerinnen und Schüler besser in der Lage sein, ethische und moralische Gegensätze zu achten, eigene und gesellschaftliche Werteorientierungen zu reflektieren und am demokratischen Entscheidungsfindungsprozess teilzunehmen.

 

Nächste Woche in der Reihe „Positive Education“: Positive Psychologie und Charakterbildung

 

Literatur zu Positive Education

Literatur

  1. http://www.focus.de/familie/erziehung/familie/schulversagen-ist-hausgemacht-psychologie_id_2123953.html
  2. http://www.welt.de/politik/article1215369/Kinder-haben-Angst-vor-schlechten-Noten.html
  3. http://www.edutopia.org/blog/8-pathways-empathy-in-action-marilyn-price-mitchell?utm_source=SilverpopMailing&utm_medium=email&utm_campaign=100715%20enews%20conf%20ngm%20remainder&utm_content=&utm_term=top3&spMailingID=12606692&spUserID=MjcyNTI2NTM2ODUS1&spJobID=640465479&spReportId=NjQwNDY1NDc5S0
  4. file:///home/raphaela/Downloads/Applied%20framework%20for%20Positive%20Education.pdf
  5. https://www.ggs.vic.edu.au/School/Positive-Education/What-is-Positive-Education-/Why-Positive-Education-
  6. Friedman, Milton (2004): Kapitalismus und Freiheit. Piper.
  7. http://www.edutopia.org/blog/8-pathways-empathy-in-action-marilyn-price-mitchell?utm_source=SilverpopMailing&utm_medium=email&utm_campaign=100715%20enews%20conf%20ngm%20remainder&utm_content=&utm_term=top3&spMailingID=12606692&spUserID=MjcyNTI2NTM2ODUS1&spJobID=640465479&spReportId=NjQwNDY1NDc5S0

 

 

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